Trading-Strategien ohne Rückschaufehler prüfen · 2 / 5
Wenn eine Kerze sowohl Stop als auch Kursziel berührt
Eine Kerze kann Stop und Kursziel enthalten, ohne zu zeigen, welches zuerst erreicht wurde. Wer stillschweigend den profitablen Verlauf auswählt, macht aus einem unsicheren Ergebnis eine erfundene Ausführung.
Athenum7 Min.Aktualisiert:
Definiere Position und Ausführungsannahmen
Angenommen, eine Long-Position über eine Einheit wurde bereits vor dem Intervall bei 100 eröffnet. Der Stop liegt bei 98, das Ziel bei 104. Die Ausstiege sind als One-Cancels-Other verknüpft: Wird einer ausgeführt, wird der andere storniert. Nur für diese Übung gelten ein kontinuierlicher Preisverlauf, ausreichende Liquidität, keine Kurslücken und exakte Ausführungen an den Schwellen. Das anfängliche Risiko beträgt zwei Preiseinheiten und entspricht 1R.
Ein Intervall mit Eröffnung 100, Hoch 105, Tief 97 und Schluss 101 erlaubt sowohl einen Ziel-zuerst- als auch einen Stop-zuerst-Verlauf. OHLC allein identifiziert den tatsächlichen Verlauf nicht. Kleinere Zeitintervalle helfen nur, wenn ihre Reihenfolge und Datenabdeckung die Mehrdeutigkeit auflösen; auch eine kleinere Kerze kann beide Ausstiege berühren.
Grenzen sind keine Wahrscheinlichkeiten
Berichte die Ergebnisse unter jeder zulässigen Reihenfolge. Die Spanne gilt unter den Ausführungsannahmen und ist keine Wahrscheinlichkeitsverteilung. Ihr Mittelpunkt ist kein erwarteter Gewinn, solange kein begründetes Modell die Wahrscheinlichkeiten der Verläufe liefert. Behalte uneindeutige Beobachtungen im Forschungsprotokoll, statt sie als unbequem zu löschen.
Eine Kurslücke durch den Stop kann den Verlust über die Stop-zuerst-Grenze hinaus vergrößern. Ein lediglich berührtes Limitziel wird möglicherweise nicht ausgeführt, weil andere Orders in der Warteschlange davorstehen. Behandle Lücken, Teilausführungen und die Warteschlangenposition als eigene Ausführungsfragen, statt sie in einer optimistischen Kerzenreihenfolge zu verstecken.
Dieselben zehn Trades ergeben netto zwischen 0R und 6R
Beim uneindeutigen Intervall erreicht 100 → 105 → 97 → 101 zuerst das Ziel: Gewinn 4, also +2R. Der Verlauf 100 → 97 → 105 → 101 erreicht zuerst den Stop: Verlust 2, also −1R. Beide passen zu den vier Kerzenwerten.
Acht eindeutige Trades ergeben zusammen +3R. Zwei uneindeutige Trades erlauben jeweils −1R oder +2R. Damit liegen die Bruttogrenzen der zehn Trades bei +1R und +7R. Bei festgelegten Kosten von 0,1R je Trade betragen die Gesamtkosten 1R; netto bleiben 0R bis +6R. Nur +6R zu berichten verschweigt die ungeklärte Reihenfolge.
| Verlauf | Erster Ausstieg | Bruttoergebnis |
|---|---|---|
| 100 → 105 → 97 → 101 | Ziel 104 | +2R |
| 100 → 97 → 105 → 101 | Stop 98 | −1R |
- Stop-zuerst-Grenze
- 0 R
- Ziel-zuerst-Grenze
- 6 R
Eine vorsichtige Konvention ist keine historische Beobachtung
Immer Stop-zuerst anzunehmen kann ein vorab festgelegtes Stressszenario sein. Bezeichne dies aber nicht als beobachtete Reihenfolge innerhalb der Kerze. Ebenso beweist ein vom Simulator gewählter Verlauf nicht, dass die Börse diese Reihenfolge ausgeführt hat. Erhalte diese Unterscheidung sowohl im Ergebnisbericht als auch in Abbildungsbeschriftungen.
Vor der Entscheidung
- Prüfe, ob die Position vor dem Intervall bestand.
- Definiere Stornierungs- und Ausführungsregeln der Ausstiege.
- Erhalte beide zulässigen Reihenfolgen.
- Ziehe Kosten für die gesamte Stichprobe ab.
- Prüfe Kurslücken und Warteschlangenunsicherheit separat.
Prüfe dein Verständnis
Vier eindeutige Trades ergeben zusammen −1R. Ein uneindeutiger Trade erlaubt −1R oder +2R. Jeder der fünf Trades kostet 0,1R. Wie lauten die Nettogrenzen?
Lösung mit Erklärung anzeigen
Die Untergrenze beträgt −1 − 1 − 0,5 = −2,5R. Die Obergrenze beträgt −1 + 2 − 0,5 = +0,5R. Das Vorzeichen bleibt ungeklärt; diese Stichprobe belegt deshalb keinen positiven Nettoerwartungswert.