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Backtest-Bias: Strategien ohne Rückschaufehler prüfen · 1 / 5

Wann war ein Pivot-Signal tatsächlich verfügbar?

Eine Markierung am Wendepunkt beweist nicht, dass du dort handeln konntest. Rekonstruiere zunächst, was die Regel bei jedem Kerzenschluss wusste, bevor du ihr einen Einstiegspreis zuordnest.

Athenum7 Min.Aktualisiert:

Pivot-Tief-Regel: Kandidatenzeitpunkt vs. Verfügbarkeitszeitpunkt

Für diese eigens entwickelte Übung muss ein striktes Pivot-Tief niedriger sein als die Tiefs der zwei vorhergehenden und zwei nachfolgenden abgeschlossenen Fünf-Minuten-Kerzen. Gleiche Tiefs zählen nicht. Die Auswertung erfolgt nur bei Kerzenschluss. Die beiden vorhergehenden Tiefs liegen bei 103 und 102; die Kandidatenkerze erreicht 100. Zu diesem Zeitpunkt ist sie lediglich ein Kandidat: Keine der beiden Folgekerzen ist bekannt.

Ein Chart kann das Etikett nachträglich auf den Kandidaten setzen, sobald spätere Kerzen die Bedingung bestätigen. Speichere deshalb den Kandidatenzeitpunkt und den Zeitpunkt der Informationsverfügbarkeit getrennt. Ein Indikator, der sich während einer offenen Kerze verändert, ist nicht automatisch fehlerhaft. Die Wiederholung muss aber genau die Informationen verwenden, auf denen die tatsächliche Entscheidungsregel beruhte. Ersetze das damalige Wissen nicht durch einen abschließend bereinigten Chart.

Bestätigung vs. Ausführung: Einstiegspreis und gescheiterte Kandidaten

Auch nach der Bestätigung muss eine Order übermittelt und ausgeführt werden. Protokolliere diese Zeitpunkte unabhängig voneinander. Eine erst nach dem Schluss um 10:15 ausgewertete Regel darf kein früheres Tief innerhalb einer Kerze als Einstieg ansetzen. Auch eine Ausführung zum Schlusskurs ist nicht garantiert: Latenz, Spread und Kurslücken verändern den ausführbaren Preis.

Spiele verworfene Kandidaten ebenso nach wie bestätigte. Unterschreitet die zweite Folgekerze das Tief von 100, scheitert der Kandidat. Wer nur die nachträglich übrig gebliebenen Markierungen aufbewahrt, kann nicht mehr nachvollziehen, was während der Entstehung des Setups tatsächlich sichtbar war.

Beispiel: 0,81R nach Bestätigung vs. 16R im Rückblick

Der Kandidat liegt in der Kerze von 10:00 bis 10:05 UTC. Die folgenden Kerzen haben Tiefs von 101 und 102; die Bestätigung erfolgt daher um 10:15. Angenommen, der nächste ausführbare Kauf liegt bei 104,20, der feste Stop bei 99,50 und ein späterer hypothetischer Ausstieg bei 108. Eine Einheit riskiert 4,70 und verdient 3,80: 3,80 / 4,70 = 0,8085R vor Kosten. Die Preise gelten in USDT je Einheit des Basiswerts bei linearem Gewinn- und Verlustverlauf. R misst den geplanten Abstand zwischen Einstieg und Stop vor Kosten, keinen garantierten Höchstverlust.

Ein fiktiver Einstieg bei 100 ergibt dagegen 0,50 Risiko und 8 Gewinn, also 16R. Beide Divisionen stimmen mathematisch; nur der erste Einstieg respektiert die Verfügbarkeit dieses Signals. Keine der Rechnungen sagt voraus, dass der Ausstieg bei 108 eintreten wird.

Hypothetische Wiederholung in Fünf-Minuten-Schritten, sämtliche Zeiten UTC
IntervallTiefZustand bei Kerzenschluss
10:00–10:05100Kandidat; zwei Folgekerzen unbekannt
10:05–10:10101Eine passende Folgekerze
10:10–10:15102Bestätigt um 10:15
10:15–10:20103Nach der ursprünglichen Bestätigung
Trenne die markierte Kerze, den Wissenszeitpunkt und den Ausführungsdatensatz.Diagramm vergrößern
  1. Kandidaten-Tief
  2. Folgekerzen schließen
  3. Signal bestätigt
  4. Order übermittelt
  5. Ausführung erfasst
Trenne die markierte Kerze, den Wissenszeitpunkt und den Ausführungsdatensatz.
Trenne die markierte Kerze, den Wissenszeitpunkt und den Ausführungsdatensatz.

Hypothetische Wiederholung in Fünf-Minuten-Schritten, sämtliche Zeiten UTC. Trenne die markierte Kerze, den Wissenszeitpunkt und den Ausführungsdatensatz.

Die Punkte zeigen Intervalltiefs, nicht deren genaue Zeitpunkte oder einen durchgehenden Kursverlauf. Der Pfeil umfasst die zwei folgenden Kerzen von 10:05 bis 10:15. Die Formeln darunter vergleichen angenommene Einstiege, keine beobachteten Ausführungen.

Tief: 100 → 101 → 102 → 103. Bestätigt um 10:15.

Look-ahead-Bias: Einstieg an einer rückdatierten Pivot-Markierung

Fällt die Kerze von 10:10 bis 10:15 stattdessen auf 99,80, scheitert der ursprüngliche Kandidat. Ein Backtest darf nicht den früheren Einstieg bei 100 behalten und die gescheiterte Bestätigung verwerfen. Lege den Umgang mit gleichen Tiefs und die Bestätigungsverzögerung fest, bevor du die Ergebnisse siehst.

Vor der Entscheidung

  • Fixiere Pivot-Regeln und den Umgang mit gleichen Werten.
  • Speichere Kandidatenzeitpunkt und Informationsverfügbarkeit.
  • Trenne Bestätigung, Übermittlung und Ausführung.
  • Spiele auch verworfene Kandidaten nach.
  • Berechne das Risiko vom ausführbaren Einstieg aus neu.

Prüfe dein Verständnis

Die gleiche Regel verlangt nun drei statt zwei abgeschlossene Folgekerzen. Das dritte Tief beträgt 103. Wann ist der ursprüngliche Kandidat bestätigt?

Lösung mit Erklärung anzeigen

Um 10:20 UTC, wenn die dritte Folgekerze schließt. Ihr Tief von 103 erfüllt den strikten Vergleich mit 100, aber dieser abgeschlossene Wert war um 10:15 noch nicht verfügbar. Der Einstieg muss nach dem neuen Bestätigungszeitpunkt erfolgen.

Quellen und weiterführende Lektüre

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