Orderflow messen: Rücksetzungen, Einheiten und Datenzeitpunkte · 2 / 5
Volume Delta: Kerzenschätzung und Taker-Seite vergleichen
Werkzeuge mit dem Namen Volume Delta können Unterschiedliches messen. Eines nutzt Taker-Kennzeichen einzelner Trades, ein anderes ordnet das gesamte Volumen kleinerer Kerzen nach Kursrichtung zu. Eine Abweichung bedeutet nicht automatisch einen defekten Chart oder ein verborgenes Signal.
Athenum7 Min.Aktualisiert:
Die Klassifikationsregel benennen
Ein Börsenfeed kann für jede Ausführung angeben, welche Seite Liquidität genommen hat. Hier zählt käuferinitiierte Menge positiv, verkäuferinitiierte negativ. Jede Ausführung besitzt trotzdem Käufer und Verkäufer. Das Vorzeichen beschreibt den Aggressor, nicht mehr Käufer als Verkäufer.
Eine Kerzenrichtungsschätzung klassifiziert dagegen das gesamte Intrabar-Volumen anhand von Eröffnung und Schluss, ergänzt um eine Gleichstandsregel. TradingView dokumentiert dieses Verfahren für Volume Delta. Es kann eine nützliche Schätzung sein, wird durch Darstellung als CVD aber nicht zu einer Ausführungszählung nach Taker-Seite.
Für einen fairen Vergleich dieselbe Grundgesamtheit verwenden
Nutze in beiden Rechnungen dasselbe Symbol, dieselbe Börse, Zeitgrenze und Basiseinheit. Sonst könnte unterschiedliche Abdeckung statt Klassifikation die Abweichung verursachen. Bewahre Handelsanzahl, Gesamtmenge und ausgeschlossene Datensätze auf, damit sich beide Populationen abstimmen lassen.
Das Beispiel vereinfacht die Kerzenmethode auf eine steigende Intrabar ohne Gleichstand von Eröffnung und Schluss. Eine vollständige Umsetzung muss Gleichstände und verfügbare Unterintervalle definieren. Keine der Methoden zeigt allein, ob eine Position eröffnet oder geschlossen wurde, ob eine Liquidation vorlag oder welches Motiv ein Teilnehmer hatte.
Rechenbeispiel: +10 geschätzt gegenüber −2 nach Taker-Seite
Eine hypothetische Intrabar öffnet bei 100 und schließt bei 101. Vier Ausführungen haben die vorzeichenbehafteten Basismengen +2, −4, −2 und +2. Die Gesamtmenge beträgt 10, davon 4 käufer- und 6 verkäuferinitiiert. Das ausgeführte Delta ist deshalb −2.
Die vereinfachte Regel für eine steigende Kerze wertet alle zehn Einheiten positiv und ergibt +10. Trotz überwiegender Verkäuferaggression kann der Kurs höher schließen, denn Quotes, erneute Liquiditätsbereitstellung und Ausführungsfolge wirken ebenfalls. Die Differenz von zwölf ist ein Messunterschied derselben Handelsfolge, keine Menge verschwiegener Trades.
| Ausführung | Taker-Seite | Basismenge | Vorzeichenbehaftete Menge |
|---|---|---|---|
| 1 | Kauf | 2 | +2 |
| 2 | Verkauf | 4 | −4 |
| 3 | Verkauf | 2 | −2 |
| 4 | Kauf | 2 | +2 |
Diagramm vergrößern- Schätzung nach Kerzenrichtung: 10 Basiseinheiten
- Delta nach Taker-Seite: -2 Basiseinheiten
Nicht jede Abweichung ist eine Divergenz
Eine Kurs-Delta-Divergenz verbindet definierte Zeitreihen. Ein Vergleich mit wechselnder Klassifikation oder Abdeckung führt zusätzlich ein Datenproblem ein. Friere das Berechnungsverfahren vor dem Strategietest ein und bewahre auch Fälle, in denen die angenommene Interpretation scheitert.
Vor der Entscheidung
- Taker-Kennzeichen oder genaue Kerzenschätzung bestimmen.
- Instrument, Börse, Intervall und Mengeneinheit abstimmen.
- Vor dem Vorzeichenvergleich die Gesamtmenge prüfen.
- Aus Delta weder Positionseröffnung noch Teilnehmeridentität ableiten.
Prüfe dein Verständnis
Eine fallende Intrabar enthält neun käuferinitiierte und drei verkäuferinitiierte Einheiten. Welche Werte liefern einfache Kerzenrichtung und Taker-Regel?
Lösung mit Erklärung anzeigen
Die Gesamtmenge beträgt zwölf. Die Schätzung über die fallende Kerze ergibt −12, die Taker-Regel dagegen 9 − 3 = +6. Beide Ergebnisse folgen ihrer Definition. Der Unterschied zeigt weder, wer Positionen eröffnete, noch beweist er eine bevorstehende Umkehr.